In der südlichsten Region Argentiniens, im rauen, klaren Wasser des Canal Beagle bei Ushuaia, liegt die kleine Insel Isla Martillo – ein außergewöhnlicher Ort von hohem ökologischem und touristischen Wert. Besucher können hier nicht nur beeindruckende Landschaften und eine wilde Tierwelt erleben, sondern vor allem eine lebhafte Pinguinkolonie beobachten, die in der südlichen Hemisphäre einzigartig ist.
Lage und geographischer Kontext
Isla Martillo liegt im Canal Beagle nahe der Küste der Insel Grande von Tierra del Fuego in der Provinz Tierra del Fuego, Antártida e Islas del Atlántico Sur in Argentinien. Der Zugang erfolgt typischerweise von Ushuaia aus, oft über die historische Estancia Harberton, die als Ausgangspunkt dient.
Die Insel gehört zu einem einzigartigen Ökosystem: Montane Landschaften, tiefgehende Fjorde und der von der Antarktis beeinflusste Lebensraum zeichnen diese Region aus. Die Kombination aus Meer, Gebirge und rauer Vegetation übt auf Naturreisende einen besonderen Reiz aus.
Die Pinguinkolonien
Isla Martillo ist besonders bekannt für ihre Magellan-Pinguine, die größte Besucherattraktion der Insel. Diese mittelgroßen Pinguine sind von Oktober bis März auf der Insel aktiv, wenn sie ihre Nester bauen, Eier legen und ihre Küken aufziehen. Sie zeichnen sich durch ihre markante schwarz-weiße Färbung und die charakteristischen schwarzen Bänder auf Brust und Kopf aus. Während der Brutzeit kehren sie regelmäßig vom Meer zurück, um ihre Küken zu füttern. Dieses Schauspiel ist für Besucher besonders faszinierend.
Neben den Magellan-Pinguinen können Besucher auch Eselspinguine beobachten. Diese sind durch ihren weißen Augenstreifen und den leuchtend roten Schnabel leicht zu erkennen. Diese Art ist in Argentinien eher selten, weshalb Isla Martillo ein besonderer Ort für Vogelbeobachter ist. Mit etwas Glück kann man auf dieser Insel auch Königspinguine sehen.
Ein weiteres interessantes Verhalten der Pinguine auf Isla Martillo ist ihr soziales Miteinander: Sie bilden dichte Kolonien, verteidigen ihre Nester gegen Eindringlinge und zeigen ausgeprägtes Balzverhalten. Besonders die Küken sind neugierig und interagieren gerne, ohne dabei aggressiv zu sein – ein Moment, der bei Touristen sehr beliebt ist.
Seelöwen und weitere Tierwelt
Neben den Pinguinen ist Isla Martillo auch Lebensraum für mehrere weitere bemerkenswerte Tierarten. Besonders die Seelöwen sind ein Highlight für Besucher. Die imposanten Meeressäuger sonnen sich oft an den felsigen Uferzonen der Insel, ruhen sich aus und interagieren miteinander. Mit ihren lauten Rufen und ihrem verspielten Verhalten sind sie faszinierende Fotomotive und vermitteln einen lebendigen Eindruck vom dynamischen Ökosystem der Insel.
Darüber hinaus beherbergt Isla Martillo verschiedene Meeresvögel, darunter Kormorane, Albatrosse und Möwen, die in den Küstenregionen nisten und jagen. Diese Vögel sind ein wichtiger Teil des Nahrungskreislaufs und tragen zur ökologischen Balance der Insel bei. In den Gewässern rund um die Insel können gelegentlich Delfine beobachtet werden, die die Pinguinkolonien umschwimmen oder mit Booten spielen.
Die Kombination aus Pinguinen, Seelöwen, Seevögeln und gelegentlichen Meeressäugern macht Isla Martillo zu einem einzigartigen Beobachtungsgebiet. Jede Tierart trägt auf ihre Weise zum Reiz und Wert der Insel als Natur- und Schutzgebiet bei und bietet Besuchern die Gelegenheit, die faszinierende Biodiversität Patagoniens hautnah zu erleben.
Besuchsmöglichkeiten & Tourismus
Ein Besuch von Isla Martillo ist ausschließlich im Rahmen organisierter Touren möglich: Entweder werden die Insel mit Booten umrundet oder es wird – in ausgewählten Fällen – ein Landgang zur Insel selbst unternommen.
Beste Reisezeit:
Etwa von Oktober bis März, wenn die Pinguine brüten und anwesend sind.
Tourvarianten:
- Bootstour ohne Landgang: Beobachtung der Kolonie vom Wasser aus.
- Landgang mit geführtem Spaziergang zwischen den Pinguinen (begrenzte Plätze, oft teurer).
Wichtige Hinweise für Besucher:
- Halt einen Abstand von mindestens 3m zu den Tieren ein.
- Geeignete Kleidung: wind- und regenabweisend, gute Schuhe, Sonnenschutz.
- Reservierung im Voraus empfohlen, da die Plätze begrenzt sind.
- Auch beim Landgang bleibt der Zugang streng reguliert, um die Tiere nicht zu stören.
Bedeutung für den Naturschutz und Verantwortung beim Reisen
Die Insel fungiert als geschützter Lebensraum für mehrere Pinguinarten und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in der Region Patagonien/Südargentinien. Der Mensch-Tier-Kontakt wird bewusst limitiert, um Stress für die Tiere zu vermeiden und die natürlichen Prozesse nicht zu stören. Ein verantwortungsbewusster Tourismus trägt dazu bei, diesen Ort langfristig zu erhalten, beispielsweise durch Müllvermeidung, respektvolles Verhalten gegenüber Tieren und Umwelt sowie die Wahl seriöser Anbieter, die Umweltschutzbestimmungen beachten. Dabei ist es wichtig, die lokale Wirtschaft zu unterstützen – mit Respekt gegenüber der regionalen Gemeinschaft und deren Lebensraum.
Praktische Tipps für die Reiseplanung
- Anreise & Unterkunft: Ushuaia dient als Ausgangsort. Eine Unterkunft dort oder in der Umgebung erleichtert Tagesexkursionen.
- Wann buchen: Bereits mehrere Monate im Voraus reservieren, besonders wenn ein Landgang geplant ist.
- Dauer der Tour: Meist ein Halb- bis Ganztagesausflug, je nach Variante. Dazu kommt die Zeit im Boot und auf der Insel bzw. für die Rückfahrt.
- Fotografie: Weitwinkel für Landschaften, Teleobjektiv für Tieraufnahmen
- Wetter & Kleidung: Ein rascher Wetterumschwung ist möglich, daher ist das Schichtenprinzip („Zwiebelschichten“) ratsam.
- Verhalten: Die Tiere nicht füttern, ihnen nicht zu nahe kommen und keine lauten Geräusche machen – das Wohlergehen der Tiere steht im Vordergrund.
Die Isla Martillo im Canal Beagle bei Ushuaia ist ein außergewöhnlicher Ort für Tier- und Naturliebhaber: Eine lebendige Pinguinkolonie, eingebettet in eine grandiose patagonische Landschaft, macht den Besuch zu einem nachhaltigen Erlebnis. Wer diese Reise plant, kann eindrucksvolle Momente erleben und sollte zugleich verantwortungsbewusst handeln – im Sinne der Tiere, der Umwelt und zukünftiger Generationen von Besuchern.








