Der Icefields Parkway zählt zu den spektakulärsten Straßen der Welt und ist ein absolutes Highlight für jeden Roadtrip durch Westkanada. Die etwa 230 Kilometer lange Route verläuft als Teil des Alberta Highway 93 zwischen Lake Louise im Banff-Nationalpark und Jasper im Jasper-Nationalpark in der Provinz Alberta, Kanada. Sie folgt größtenteils der kontinentalen Wasserscheide durch die Rocky Mountains und führt durch einige der beeindruckendsten Landschaften Nordamerikas: von türkisblauen Gletscherseen und gigantischen Eisfeldern bis hin zu tosenden Wasserfällen und zerklüfteten Berggipfeln.
Lage und natürliche Bedeutung
Der Icefields Parkway verläuft durch zwei der bekanntesten Nationalparks Kanadas: den Banff-Nationalpark im Süden und den Jasper-Nationalpark im Norden. Er verbindet die Ortschaft Lake Louise mit der charmanten Stadt Jasper und windet sich entlang des Great Divide, der kontinentalen Wasserscheide Nordamerikas. Während dieser faszinierenden Strecke überwindet der Parkway einige der höchsten für den Straßenverkehr erreichbaren Punkte der Region, etwa den Bow Pass (ca. 2.067 m) und den Sunwapta Pass (ca. 2.035 m).
Die Straße führt durch eine unglaublich vielfältige Landschaft: hochalpine Täler, tief eingeschnittene Schluchten, massive Eisfelder, jahrtausendealte Gletscher, kristallklare Seen und eine Tierwelt, die von Murmeltieren über Bergziegen bis hin zu Grizzly- und Schwarzbären reicht.
Geschichte des Icefields Parkway
Seine Geschichte beginnt weit vor dem Bau der heutigen Straße. Schon die Ureinwohner nutzten alte Pfade durch die Berge, um zu jagen oder Handel zu treiben – lange bevor europäische Forscher und Pelzhändler die Region erschlossen. Mit der Fertigstellung der Canadian Pacific Railway im Jahr 1885 stieg das Interesse an den Rocky Mountains dramatisch an und die ersten Erkundungen entlang der späteren Parkway-Route wurden unternommen.
Während der Weltwirtschaftskrise begann die kanadische Regierung im Jahr 1931, den sogenannten „Wonder Trail“ zu einer ordentlichen Straße auszubauen. Die Bauarbeiten waren ein gewaltiges Unterfangen: Über 600 Männer arbeiteten fast zehn Jahre lang unter harten Bedingungen und mit minimalem Maschineneinsatz – pro Team wurde nur eine Zugmaschine zugelassen. Die Straße wurde 1940 offiziell eröffnet, jedoch erst 1961 vollständig gepflastert und modernisiert.
Seitdem hat sich der Icefields Parkway zu einer der meistbesuchten Panoramarouten der Welt entwickelt: Mehr als 1,2 Millionen Besucher reisen jährlich entlang der Strecke, vor allem in den Sommermonaten.
Highlights und Sehenswürdigkeiten entlang der Route
Bow Lake
Einer der ersten imposanten Seen entlang der Strecke ist der Bow Lake, ein großer Gletschersee, der von den Ausläufern des Bow-Gletschers gespeist wird. Die Kulisse aus Wasser und Bergen ist perfekt für Fotos und ein kurzer Spaziergang entlang des Ufers lohnt sich in jedem Fall.
Peyto Lake und Bow Summit
Nur wenige Minuten weiter nördlich erreicht man den Peyto Lake, einen der berühmtesten Seen der kanadischen Rockies. Sein intensives Türkisblau ist auf feinste Gesteinspartikel im Schmelzwasser der Gletscher zurückzuführen. Von der Aussichtsplattform am Bow Summit aus hat man einen der spektakulärsten Panoramablicke der gesamten Route.
Mistaya Canyon
Ein markanter Stopp ist der Mistaya Canyon, in den der Mistaya River eine enge, dramatische Schlucht gegraben hat. Die Aussichtspunkte und kurzen Wanderwege bieten perfekte Möglichkeiten, den Canyon zu erkunden.
Tangle Creek & Stanley Falls
Etwas abseits der Hauptroute führen kleine Wanderwege zu beeindruckenden Wasserfällen. Die Strecke entlang des Beauty Creek zu den Stanley Falls ist traumhaft und weniger überlaufen als die bekannteren Stopps.
Saskatchewan River Crossing
An dieser Kreuzung mit dem David Thompson Highway lohnt sich ein kurzer Halt: Hier vereinigen sich mehrere mächtige Flusssysteme und es gibt die einzige Tankstelle und den einzigen Rastplatz zwischen Lake Louise und Jasper.
Columbia Icefield & Athabasca Glacier
Das Columbia-Eisfeld ist das größte Eisfeld der kanadischen Rockies. Direkt an der Strecke liegt das Columbia Icefield Discovery Centre, der Ausgangspunkt für Touren auf den Athabasca-Gletscher und zur spektakulären Aussichtsplattform „Glacier Skywalk”. Diese Erlebnisse gehören zu den absoluten Höhepunkten einer Reise auf dem Parkway und bieten spektakuläre Einblicke in die glaziale Landschaft.
Sunwapta Falls
Nördlich des Columbia-Eisfelds befindet sich der Zugang zu den Sunwapta-Falls, einem kraftvollen Wasserfall mit mehreren Kaskaden. Besonders im späten Frühling sind sie durch das Schmelzwasser beeindruckend laut und wild.
Athabasca Falls
Kurz vor Jasper liegt der gut ausgeschilderte Stopp zu den Athabasca Falls. Der Wasserfall ergießt sich in eine enge Kalksteinschlucht und bietet spektakuläre Fotomöglichkeiten.
Weeping Wall
Entlang der Strecke, kurz vor der Grenze zum Jasper-Nationalpark, erheben sich die steilen Felswände der Weeping Wall. Im Frühling fließt Wasser über das Gestein und im Winter gefriert es zu riesigen Eisformationen – ein Paradies für Eiskletterer.
Praktische Tipps für die Reise
- Zeit einplanen: Die reine Fahrtzeit beträgt etwa 3–5 Stunden, doch für einen lohnenden Ausflug sollte man mindestens einen ganzen Tag, besser zwei Tage, einplanen, um ausgiebig zu stoppen und kurze Wanderungen zu unternehmen.
- Nationalparkpass: Ein gültiger Nationalparks-Pass (Discovery Pass) ist erforderlich, um den Icefields Parkway zu befahren und die meisten Aussichtspunkte zu nutzen.
- Beste Reisezeit: Die Saison mit den stabilsten Straßenverhältnissen und bestem Wetter ist Juni bis September, dennoch können auf dieser Hochgebirgsroute jederzeit Schnee oder schlechtes Wetter auftreten.
- Tierwelt: Entlang der Strecke kann man häufig Wildtiere beobachten, von Murmeltieren und Bergziegen bis hin zu Bären und Adlern. Bleibt also immer vorsichtig und respektvoll gegenüber der Natur.
Der Icefields Parkway ist weit mehr als nur eine Straße – er ist ein unvergessliches Naturerlebnis. Auf einer einzigen Strecke erlebt man einige der eindrucksvollsten Landschaften der Erde: türkisblau leuchtende Seen, gigantische Gletscher, tosende Wasserfälle und schroffe Berggipfel. Egal, ob als Tagesausflug oder mehrtägiges Abenteuer, diese Route sollte in jede Kanada-Reiseplanung aufgenommen werden.









